Was der ‚Ausbau’ des Flugplatzes Egelsbach wirklich bedeutet

Für viel Diskussion hat bereits die Ankündigung gesorgt, man wolle den Flugplatz Egelsbach ‚ausbauen’. Von bestimmten politischen Richtungen wird dieser Begriff gerne gebraucht, weil jeder damit ‚mehr, ‚größer’, lauter’ verbindet und damit leicht emotional Politik zu machen ist. Doch stimmt das wirklich? Wer es lieber mit der Wahrheit hält, kann sich hier informieren

Durch den mehrheitlichen Verkauf des Flugplatzes Egelsbach an die Firma Netjets, hat der Betreiber von Geschäftsreiseflugzeugen seine Zelte im Rhein-Main Gebiet aufgeschlagen. Netjets ist eine international und weltweit agierende Firma und ist für seinen sehr sicheren Flugbetrieb bekannt. Sicherheit kommt nicht von alleine, sondern braucht feste Regeln. Eine dieser Regeln ist, dass bei Netjets für alle angeflogenen Flughäfen ein Instrumentenanflugverfahren existieren sollte, um auch bei schlechtem Wetter einen sicheren Betrieb gewährleisten zu können. In Egelsbach existiert derzeit kein instrumentengestütztes Verfahren für den An- oder Abflug bei schlechtem Wetter. Dass hier von Netjets eine Ausnahme von dieser Regel gemacht wurde, lässt sich damit begründen, dass ihnen die Kunden im Rhein-Main Gebiet sehr wichtig sind und der Flughafen Frankfurt nicht die notwendigen Flexibilität bieten kann, die ein Unternehmen wie Netjets wie die Luft zum Fliegen braucht. Selbstverständlich wird auch Egelsbach entsprechend den strengen Sicherheitsregeln angeflogen, es kann jedoch sein, dass nicht ausreichende Wetterbedingungen den einen oder anderen An- oder Abflug verhindern.

Was nicht ist, kann noch werden. Netjets hat sich beim Kauf des Flugplatzes vorgenommen, ein Instrumentenanflugverfahren einzurichten. Für Netjets ist das ganz klar die Realisierung eines weltweit angewandten Sicherheitskonzepts.

Natürlich gibt es für Instrumentenanflugverfahren auch feste Regeln. Diese Regeln müssen sowohl bodenseitig – auf Flugplätzen-, als auch luftseitig – in Flugzeugen – eingehalten werden. Bodenseitig spielt der Hindernisfreibereich um eine Landebahn herum eine wichtige Rolle. Es handelt sich dabei um den Bereich, in den kein Hindernis hineinreichen darf.

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Prinzipzeichnung der Hindernisfreibereiche

Bei der Festlegung sind auch die immer möglichen Abweichungen vom idealen Flugweg berücksichtigt worden. Das gilt grundsätzlich für alle Flugplätze oder Flughäfen, also auch für Flugplätze, die nur nach Sichtflugregeln – so wie Egelsbach momentan – angeflogen werden können. Für Flugplätze mit Instrumentenanflugverfahren ist der Hindernisfreibereich allerdings um Einiges größer als für Flugplätze mit Sichtflugverkehr, weil man gewisse, auch technisch bedingte Abweichungen von den idealen Anfluglinien einkalkulieren muss. Kurz und gut, es gibt Vorschriften, die eingehalten werden müssen.

Ein Instrumentenanflugverfahren auf Egelsbach wird es nur von der östlichen Seite geben, weil auf der westlichen Seite die Starbahn 18 des Frankfurter Flughafens schlicht im Weg der Anfluggrundlinie ist. An der östlichen Seite des Flugplatzes Egelsbach befindet sich allerdings die Trasse der Eisenbahn mitsamt seiner Oberleitung. Diese Oberleitung reicht weit in den Hindernisfreibereich für Flugplätze mit Instrumentenanflug hinein, sodass der Anfang (die Schwelle) der Landebahn nach Westen verlegt werden muss. Um damit aber keine Verkürzung der Landebahn zu bewirken, muss das verkürzte Stück an der anderen Seite angebaut werden. Die Landebahn wird also nicht verlängert, sondern nur verlegt. Dass es sich dabei nicht um eine ‚verschleierte’ Verlängerung handelt, mag man daran erkennen, dass sich die nutzbare Länge einer Start- und Landebahn immer zwischen den sogenannten Schwellen befindet. Die Schwellen bezeichnen den Punkt, an dem frühestens aufgesetzt werden kann oder an dem ein Flugzeug beim Start mindestens 15 Meter Höhe erreicht haben muss. Ist das nicht möglich, ist die Start- oder Landebahn zu kurz.

Also keine größeren Flugzeuge, keine steigenden Verkehrszahlen und keine Flüge mitten in der Nacht. Lediglich einige Starts und Landungen bei schlechtem Wetter, die heute noch auf andere Flughäfen ausweichen müssen. Auch was das schlechte Wetter angeht, sind die Möglichkeiten mit einem Instrumentenanflugverfahren nicht grenzenlos. Ein Flugbetrieb bei Null-Sicht wird es in Egelsbach voraussichtlich nie geben. Ab bestimmten Wolkenuntergrenzen und einer minimal festgelegten Sicht wird in Egelsbach auch mit Instrumentenanflugverfahren in Zukunft kein Flugbetrieb stattfinden können.

Noch ein Wort zur Sicherheit: Die tragischen Unfälle im Dezember 2009 und im März 2012, bei dem insgesamt sieben Menschen ihr Leben verloren haben, wären mit größter Wahrscheinlichkeit nicht passiert, wenn es ein Instrumentenanflugverfahren gegeben hätte.

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